Genussgedanken von Matthias Grenda
Genussgedanken von Matthias Grenda

Kulturfarmer

Genussgedanken zum Mittwoch, dem 18.03.2020

Ich stehe heute Morgen im Home Office vor den Regalen mit Musik CDs. Meine Güte, da stehen ja um die 500 Tonträger… denke ich fast laut. Erinnerungen an die vielen Streifzüge durch die damals so genannten Plattenläden werden wach. Irgendwie hat man immer eine CD gefunden oder eine Band entdeckt, die man unbedingt hören und dann kaufen wollte. In einem anderen Regal steht der Rest meiner ehemaligen Schallplattensammlung. Übrig geblieben sind nur die ersten und damit ältesten Plattenschätze, die, die nicht durch die vielen Umzüge in verflossenen Beziehungen verblieben oder nie vom Ausleihen an Freunde und diverse Partyabende zurückgekehrt sind. Unglaublich, wie wir in den 1970igern und 1980igern manchmal mit weniger als 30 oder 40 Schallplatten wilde Tanzabende veranstaltet haben. CDs gab es ja noch nicht und Kassetten eigneten sich nicht, wenn man tanzen wollte. Ich muss fast lachen bei der Vorstellung, wie wir den einen oder anderen Partykeller gerockt haben und manches Lied fünfmal hintereinander gehört haben. Eine unbekümmerte Zeit halt.

Musik hat schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Dabei fing alles eher beschaulich und wohl auch Generationentypisch an. Zu einer normalen Erziehung und musikalischen Grundausbildung gehörte in den 1960igern und 1970igern das Erlernen eines Instrumentes. Ich lernte zuerst Blockflöte, unter anderem auch, weil es eine günstige Variante war. Wir konnten uns halt kein Klavier leisten. Weil ich auch Mitglied der Deutschen Waldjugend, einer nicht so militärischen Variante der Pfadfinder, war, spielte ich auch, allerdings eher stümperhaft, das Signalhorn und blies zu so manchem jägerischen Halali. Mit der Pubertät und Ilja Richters „Disco“ kam dann das Interesse für „echte“ Musik dazu. Natürlich wollte ich sofort Gitarre lernen, obwohl die Wahl meiner Eltern lieber Trompete oder Klarinette gewesen wäre. Ich konnte mich durchsetzen. Meine erste Single Schallplatte, die ich 1976 kaufte, war übrigens „A Glass of Champagne“ von Sailor, vielleicht ja ein früher Vorbote auf mein Interesse an prickelnden Getränken. Die erste Langspielplatte 1977 war „Rumours“ von Fleedwood Mac, mit 40 Millionen Exemplaren einer der erfolgreichsten Tonträger der Welt.

Doch wann habe ich diese CDs und Schallplatten eigentlich das letzte Mal gehört? Fast unvorstellbar kommt es mir heute vor, dass wir uns seiner Zeit zu zweit oder dritt trafen, um stundenlang Schallplatten zu hören, jeder seine liebste Playliste vorspielte, also quasi live zusammenstellte und wir die Vorzüge der Reihenfolgen diskutierten. Auch alleine zuhause hab ich mir damals die Zeit genommen, ein ganzes Album durchzuhören, in einem Stuhl oder auf einem Sofa sitzend, den Gedanken freien Lauf lassend, egal wo die emotionale Reise mich auch hinführte. Die Musik hat mir sehr viele schöne Genussgedanken geschenkt. Heute weiß ich, dass viele der Musikstücke, die mich damals so bewegt haben, dieses Gefühl sofort wieder herstellen können. Aber auch Begegnungen mit mir wichtigen Menschen sind mit Liedern verbunden. Warum nutze ich diese Möglichkeit der Erinnerung und Erbauung eigentlich nicht mehr? Ich werde mir heute einmal die Zeit nehmen und ein paar der alten Schallplatten wieder auflegen. Ich freue mich schon auf das Knistern in den Boxen, wenn die Nadel die Platte berührt und Fleetwood Mac mich sofort wieder in meine Lebensreise entführt. Ja, ich höre es schon ganz deutlich: „Go your own way“! Das Gleiche gilt auch für Dich. Du musst es nur tun.

Also, Dir einen schönen Genusstag und bleib gesund!