Genussgedanken von Matthias Grenda
Genussgedanken von Matthias Grenda

Kulturfarmer

Genussgedanken zum Montag, dem 23.03.2020

Normalerweise denke ich bei den Nachrichten „Gott sei Dank betrifft mich das nicht!“. Heute Morgen beim Blick in den Spiegel musste ich allerdings feststellen: „Doch!“. Ich muss zum Friseur, dringend. Der letzte Haarschnitt ist bestimmt schon vier Wochen her. Was tun? Nicht nur, dass heute Montag ist, da haben die Friseure normalerweise zu, nein, sie sind vorläufig ganz geschlossen. Mit der Bürste probiere ich eine Weile verschiedene Haarmodelle an mir selbst aus, muss aber letztendlich feststellen, eine professionelle Behandlung ist alternativlos. Vor allem auch, wenn ich an das alte Fotoalbum denke, das mir gestern beim Rumräumen in die Hände gefallen ist. Was man so alles macht, wenn es Sonntag ist und die aktuelle Situation einen zur häuslichen Kreativität zwingt. Man fängt tatsächlich an, auf und rum zu räumen!

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Meine Güte, schau Dir nur diese Haarschnitte auf den Fotos der letzten Jahrzehnte an. Besonders die aus der Pubertät und den ersten (Zelt)Reisen mit Freunden oder der Clique. Fast hätte ich laut losgeprustet, als ich die Dublette meines Führerscheinfotos sah, ich mit ewig langem Giraffenhals und super schmalem Gesicht. Gab es damals nicht genug zu essen? Und, Mittelscheitel war wohl besonders „in“ Anfang der 1980iger. Ich gehe sofort wieder ins Bad und schaue in den Spiegel, nein, das kann unmöglich sein… Doch! Ich bin es, nur eben keine Giraffe mehr. Weiter geht es durch die Jahrzehnte und (Haar)Moden. Mal sind die Haare länger, dann VoKuHiLa (vorne kurz, hinten lang), zwischendurch „Mecki“, also rappelkurz, kennt den Begriff heute überhaupt noch jemand? Die Klamotten und vor allem die Farben und Farbkombinationen sind auch nicht zu verachten. Hätte es „Hässlich ist das neue Chic-Wettbewerbe“ gegeben, wäre ich in mindestens zwei Jahrzehnten immer Sieger geworden. Gut, dass wir damals noch nicht wussten, dass es heute ultra hipp ist, sich mit wirklich doofen Kopfbedeckungen zu verunstalten.

 

Aber dann ist da natürlich auch das eine, ja, nur das eine Foto, wo ich mich wirklich gut getroffen fühle, tatsächlich und auch nach meinen harten Kriterien einmal gut aussehe. Wo ich doch sonst so überhaupt nicht fotogen bin. Ich bin mir sicher, Du weißt wovon ich spreche. Und Du weißt auch, wer dieses Foto gemacht hat. Es ist erstaunlich, dass so ein Abbild immer einem Dialog entspringt und sich die Beziehung dieser Menschen eben auch in dem Foto wiederspiegelt. Oft aus einer Situation entstanden, wo man quasi unvorbereitet und deshalb im übertragenen Sinne nackt erwischt wurde, und deshalb vielleicht auch besonders wahrhaftig und so wie man als Mensch wirklich ist. Egal mit welchem Haarschnitt… Warum schafft das eigentlich das heutige Smartphone-Foto nicht? Oder ist es im Hier und Jetzt alles zu sehr gestellt und auf Perfektion getrimmt?

 

Nun ja, ich mache das alte Fotoalbum jetzt erst einmal wieder zu und freue mich auf den nächsten möglichen Friseurbesuch. Bis dahin werde ich wohl einfach mit einem Baseball Cap rumlaufen müssen. Genüsslich denke ich jetzt schon an die Kopfmassage, die die Friseurin meines Vertrauens automatisch mitanbietet. Ich liebe Kopfmassagen. Wer das gut beherrscht, kann von mir fast alles verlangen… Da merkt man erst, wie wichtig doch gerade diese vermeintlich einfachen oder alltäglichen Dienstleistungen für unser Leben und Wohlsein sind. Leider zollen wir Menschen in diesen Berufen oft zu wenig Respekt. Das Gleiche gilt auch für Dich. Du musst es nur tun.

 

Also, Dir einen schönen Genusstag und bleib gesund!

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