Genussgedanken von Matthias Grenda
Genussgedanken von Matthias Grenda

Kulturfarmer

Genussgedanken zum Samstag, dem 11.04.2020

Ich habe gestern eine Schreibpause eingelegt. Allerdings keine Denkpause. Der berühmte Tag danach, also der Tag an dem man leicht oder auch schwerer verkatert von zum Beispiel einem Geburtstagsrausch ist, eignet sich sehr gut zum Nachdenken. Auch wenn die körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit durch die Folgen des Alkoholkonsums durchaus eingeschränkt sind. Wer kennt das nicht, die Gedanken sind schwer zu fassen, wabern zäh und irrational durch das gepeinigte Hirn. Soll ich mir jetzt Vorwürfe machen, nein, der Sekt und dann der Wein waren ja auch lecker… Wer hämmert da eigentlich, ach, alles nur Einbildung. Hab ich denn gar nichts Scharfes zu essen im Haus… Schlimm ist nur, dass die Dauer der Erholung länger geworden ist mit dem Alter. Früher reichte noch eine kalte Dusche am Morgen danach, heute plagt einen der Katzenjammer gerne auch mal drei Tage. Ok, ganz so dolle habe ich es vorgestern nicht krachen lassen. In Gesellschaft und unter normalen Umständen wäre der Schaden sicherlich größer gewesen.

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Fast schon zärtlich denke ich an mein erstes Erlebnis mit dem Zaubertrank Alkohol. Ich muss so um die 14 oder 15 gewesen sein, als wir mit der Familie einen Ausflug an die Ahr machten und ich in einer Wirtschaft unter Aufsicht meiner Eltern einen Schoppen Weißwein trinken durfte. Ich erinnere mich noch genau an das schwere Römerglas mit dem verzierten Fuß, das ich wie den heiligen Gral an die Lippen führte und den Wein ein erstes Mal im Mund spürte und beim Schlucken zu ergründen versuchte, ob ich dieses etwas süßliche und auch herbe Gesöff wirklich mochte oder nicht. Ich hatte das Glas noch gar nicht ganz ausgetrunken, vielleicht auch zu schnell, weil ich es immer noch nicht glauben konnte, das es mir erlaubt war, als ich diese eigentümliche Wirkung spürte. Was war das? Warum wurde mir die Zunge auf einmal so locker? Ich muss gesprudelt haben vor Lobpreisungen bei dem Spaziergang danach und erzählte anscheinend jedem, der es hören wollte oder auch nicht, von meinem tauben Gefühl unter der Oberlippe. Zum Beweis hob ich diese sogar hoch und zeigte wildfremden Menschen, was ich meinte. Ein prägendes Erlebnis und der Beginn einer manchmal komplizierten Freundschaft.

 

Ich habe köstliche Sekte, Weine, Biere und auch andere Spirituosen kennenlernen und genießen dürfen. Manches Fläschchen hat einen festen Platz in meinem Setzkasten der Erinnerungen. Natürlich ist da auch der eine oder andere Kater verewigt. An einige erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Gestern lernte ich bei einer Online Recherche, wo der Begriff „einen Kater zu haben“ überhaupt herkommt, was aber wohl nicht ganz sicher geklärt ist. Sehr einleuchtend erscheint mir die These, dass es sich um einen Ausspruch der Leipziger Studentensprache aus dem 19. Jahrhundert handelt. Macht ja irgendwie Sinn, die Erforschung des Lebens…, um dann anschließend „seinen Kater spazieren zu führen“. Auch spielt wohl das vom Griechischen abgeleitete Wort „Katarrh“ eine Rolle. Die inhaltliche Ähnlichkeit mit dem schon im 18. Jahrhundert verwendeten „Katzenjammer“, also „jämmerliches Gefühl nach einem Rausch“ soll zufällig sein, was aber manche Etymologen bezweifeln. Katzenjammer leitet sich von den klagend klingenden Lauten brünftiger Katzen ab, die man als Weinen aufgrund von Schmerzen deutete und auf menschliche Schmerzen übertrug – auch auf Schmerzen moralischer Art. Ja, da sind sie wieder, die schweren Gedanken.

 

Es gibt auch kulturelle Unterschiede beim Genuss von Alkohol. Vor gut 20 Jahren war ich Teil einer Fernsehproduktion, wo es um einen Vergleich der Trinksitten in Deutschland und Frankreich ging. Passenderweise hieß der Film dann auch „Der große Durst“. Wir hatten viel Spaß bei der Recherche und beim Drehen. Die Nachbearbeitung mit Kater war dann manchmal etwas anstrengend. Als Erkenntnis herausgekommen ist etwas, was sicherlich auch mit einer alten Tugend von uns Deutschen zusammenhängt, wir machen alles mit Disziplin und Durchhaltevermögen, auch das Trinken. Um jetzt den ganzen Film nicht nacherzählen zu müssen, sag ich es kurz, sicherlich polarisierend und auch ein wenig derb, liegt aber auch nahe: Der Franzose trinkt nur zum Essen. Der Deutsche frisst, um eine Grundlage zum Saufen zu haben. Schön, dass wir uns zunehmend kulturell austauschen und schöne Gepflogenheiten auch von anderen übernehmen. Und auch französischer Wein macht einen Kopf, äh Kater. Es ist immer alles eine Frage der Menge und besonders eine Frage der Qualität. Das Gleiche gilt auch für Dich. Du musst es nur tun.

 

Also, Dir einen schönen Genusstag und bleib gesund!

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