Genussgedanken von Matthias Grenda
Genussgedanken von Matthias Grenda

Kulturfarmer

Genussgedanken zum Samstag, dem 25.04.2020

Ich habe gerade wirklich großes Mitleid mit den vielen Menschen, die ihr Geld normalerweise in oder mit der Gastronomie und Hotellerie verdienen und uns damit einen enorm wichtige Dienst erweisen: Für das leibliche Wohl zu sorgen, uns die Freizeit zu verschönern oder bei geschäftlichen Anlässen gute Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Leider geht das im Moment aus bekannten Gründen nicht. Die wirtschaftliche Konsequenz ist nur eine Seite der Medaille. Was genauso schwer wiegt, sind die Motivation und innere Überzeugung, die viele Gastronomen und Hoteliers nun nicht ausleben können, die sie aber in diesen speziellen Servicebereich der Gesellschaft gebracht haben und trotz aller persönlichen Herausforderungen dort auch halten: „Die Kunst des Dienens“. Natürlich will ein Koch gut und lecker kochen, ein Kellner gekonnt und kundig servieren und ein Hotelier ein schönes Zuhause fern der Heimat bieten können. Alle eint zuallererst, ein guter Gastgeber sein zu wollen, den Gast willkommen zu heißen und sich wohlfühlen zu lassen. Das stößt nicht immer auf den entsprechenden Respekt und wertschätzende Gegenliebe.

Vielleicht liegt das an der Historie des Dienstleistungsgewerbes. Das römische Recht kannte zwar die Dienstleistung freier Tagelöhner und Handwerker, die im Rahmen ihrer Erbringung von Diensten entlohnt wurden. Die Masse der Arbeiter waren allerdings Sklaven, die unbezahlt dienen mussten und entsprechend herablassend behandelt wurden. Im Mittelalter lösten dann Knechte, Mägde und Dienstboten die früheren Sklaven ab. Das Gesinde erbrachte seine Dienste gegen Naturalien oder eine geringe Entlohnung. Das „Dienen“ erfuhr in jener Zeit einen ersten kleinen Bedeutungswandel, vom „dienlich“ zum „nützlich“ sein. Der Umgang zwischen Herrschaft und Dienerschaft war allerdings weiterhin von Erniedrigung, Degradierung und Entwürdigung geprägt und diente als Bestätigung unterschiedlicher sozialer Stellungen. Im Industriezeitalter kam zwar etwas Bewegung in die Sache, aber der typische Arbeiter, Angestellte und Beamte sprach immer noch vom „Dienstherrn“ und „Verdienst“. Wirklich gleichberechtigt und wertig klang das nicht.

Heutzutage sind wir da um einiges weiter… also meistens, selbst bei Dienstleistungen im Gastgewerbe. Trotzdem geistert der Spruch „Der Gast ist König“ noch immer durch die heiligen Hallen der Bewirtungsbetriebe. Oft wohl auch lebendig gehalten von traditionellen Vorstellungen innerhalb der Branche. Entsprechend benehmen sich einige Gäste, die es ohne ein „Hallo“ oder „Danke“ durch den Besuch einer Gastwirtschaft schaffen. Ist denn eine freundliche und kundige Bedienung wirklich eine solche Selbstverständlichkeit? Grundsätzlich ist den Menschen in der Gastronomie ihre Aufgabe klar und natürlich geben sie sich größte Mühe, den Gästen jeden Wunsch zu erfüllen. Auch denen, die sich als Hobbyköche und Sammler von Weinpublikationen für mehr als ebenbürtig halten. Nicht jede Erwartungshaltung muss bedient, das Unmögliche nicht immer möglich gemacht werden, so ist zumindest meine Meinung. Selbst wenn Sprüche wie „Was wollen Sie mir schon sagen, Sie sind doch nur Koch“ fallen oder mit einer schlechten Bewertung auf einem Online-Portal gedroht wird.

Sicherlich ist das die Ausnahme, aber eben auch nicht ganz so selten. Und natürlich gibt es im Gastgewerbe nicht nur Könner und Meister ihres Faches. Das geht auch gar nicht in einer Branche, die zum Niedriglohnsektor gehört, trotz der Relevanz und des großen Interesses an Kochsendungen und Hotelserien. Da gibt es schon mal eine kellnernde Aushilfskraft, die auf die Frage „Was haben Sie denn für Käse?“ antwortet „mit und ohne Löcher“. Diejenigen, die im Gastgewerbe ihre Erfüllung gefunden haben, zeichnen sich meistens durch eine hohe Kompetenz bezogen auf die angebotenen Speisen und Getränke, die Annehmlichkeiten und den Service ihres Hotels aus. Und selbst bei der Kommunikation mit dem Gast hat sich etwas getan. Das „Dienen“ wird immer mehr als eine Kunstform aus Leidenschaft und Hingabe, nicht Unterwürfigkeit verstanden. Daraus ist in vielen Fällen eine echte Gastfreundschaft erwachsen. Die Bemühungen, dem Gast ein schönes und in Erinnerung bleibendes Erlebnis zu bereiten ist heute mehr als reine Etikette und Huldigung. Und, besonders wichtig, der Gastgeber spürt und weiß, dass das Dienen etwas mit Stärke zu tun hat. Es kann halt nur nicht jeder.

Also, wenn die Gastronomie und Hotellerie wieder öffnet, was hoffentlich bald wieder der Fall sei wird, geh in Restaurants, Deine Stammkneipe oder mach Dir ein schönes Hotelwochenende an der See. Denk bitte nur daran, die Menschen in dieser Branche freuen sich darauf, Dir wieder dienen zu können. Nicht um jeden Preis und Vorsicht, nicht dass es heißt: „Tisch 17 is’n Arsch!“. Am Ende gilt: Sei Gast, und freu Dich, Gast zu sein! Das Gleiche gilt auch für Dich. Du musst es nur tun.

Also, Dir einen schönen Genusstag und bleib gesund!