Genussgedanken von Matthias Grenda
Genussgedanken von Matthias Grenda

Kulturfarmer

Genussgedanken zum Mittwoch, dem 29.04.2020

Mir fiel heute Morgen auf, dass ich mich nun schon seit sechs Wochen mit meinen täglichen Genussgedanken beschäftige, mir aber, über mein persönliches Erleben hinaus, noch gar keine Gedanken zu der eigentlichen Herkunft und Entstehung von Genuss gemacht habe. Zeit, das zu ändern. Wie schön, dass uns das Internet hier so wunderbar aushelfen kann. Dort steht auf einem bekannten Wissensportal folgende Einleitung: „Genuss ist eine positive Sinnesempfindung, die mit körperlichem und/oder geistigem Wohlbehagen verbunden ist. Beim Genießen wird mindestens ein Sinnesorgan erregt. In etwa lassen sich kulinarisch Genüsse, zum Beispiel der Ess- und Trinkkultur, geistige Genüsse wie das Hören von Musik oder das Lesen interessanter Lektüre sowie körperliche Genüsse, zum Beispiel als Teil der Sexualität unterscheiden… Was als Genuss empfunden wird, ist subjektiv und damit individuell unterschiedlich. Vorrausetzung sind Genussfähigkeit und Hingabe.“ Ich muss sagen, beides ist bei mir ausreichend vorhanden. Dann lese ich weiter und bin erstaunt, dass es im deutschsprachigen Raum nur wenige wissenschaftliche Publikationen gibt, die sich mit dem Thema Genuss beschäftigen. Ob die Franzosen da wohl mehr haben? Schließlich gelten sie ja als die geborenen Genießer.

Doch oh weh, da lese ich doch glatt, dass bislang gar nicht ausreichend erforscht ist, ob Genussfähigkeit angeboren ist oder erworben werden muss. In der Psychologie gibt es die Theorie des Lustprinzips, die auf Sigmund Freud (wen sonst… aber gab es davor noch keine Lust?) zurückgeht, wonach bereits der Säugling (kommt von Saugen) nach Lust strebt und versucht, Unlustgefühle zu vermeiden. Laut der Wissenschaftlerin Tanja Hoff wird das differenzierte Genussverhalten sozial erlernt und durch die Familie und das gesamte Umfeld beeinflusst, auch noch im Erwachsenenalter. Wie schön, dass ich nach dem Prinzip erzogen worden bin, nicht alles mögen zu müssen, aber alles zumindest einmal probiert zu haben. Die Lust am Experiment und Abenteuer ist mir in den meisten Genussbereichen erhalten geblieben und ich kann bestätigen, dass beim Genießen mindestens ein Sinnesorgan erregt wird. Auch wenn der Begriff „genießen“ ursprünglich eine ganz andere und wesentlich weiter gehende Bedeutung im Sinne von „etwas nutzen“ oder „etwas benutzen“ hatte. Selbst das Wort „Genosse“ leitet sich von „genießen“ ab, was ich beim Nachdenken über die entsprechende politische Partei nun wiederrum überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass Genussfähigkeit verloren gehen kann. Aus der Psychiatrie ist bekannt, das schwere Depressionen zu einem Verlust der Fähigkeit, sich an etwas zu erfreuen oder Vergnügen zu empfinden, führen kann. Laut einer Studie von Tanja Hoff sind in Deutschland etwa 25 Prozent der Erwachsenen nicht oder nur eingeschränkt genussfähig. Von diesen Zahlen träumen die „Genossen“ im Moment allerdings. Nach Hoffs Studie ist in Deutschland die Genussfähigkeit tendenziell regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Am genussfähigsten sind demnach Bewohner des Rheinlandes, von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Ob das wirklich an dem dort sehr beliebten Saumagen liegt? Anscheinend spielt die regionale Mentalität schon eine große Rolle. Hoff unterscheidet drei verschiedene Typen: genussfähige, genussunfähige und so genannte Genuss-Zweifler. Die Genussunfähigkeit sei in Norddeutschland stärker vertreten, die meisten Genuss-Zweifler gebe es in den ostdeutschen Bundesländern. So viele Ossis wohnen doch aber gar nicht in Westfalen! Kleiner Scherz…

Nun kommt es aber noch einmal richtig dicke, vor allem für alle Genuss-Genderbeauftragten: Nach einer relativ aktuellen Studie des „Instituts für Genussforschung“ in Nürnberg gibt es beim Genießen auch geschlechtsspezifische Unterschiede. Das Genussempfinden von Frauen sei differenzierter und anspruchsvoller, so ein Ergebnis. 88 Prozent bezeichneten Genuss als Abwechslung im Alltag. Nur 54 Prozent bezeichneten sich selbst als Genießer. Mindestens ein Viertel der Befragten wurde als nicht genussfähig eingestuft. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede gab es im Hinblick darauf, welche Aktivitäten mit dem Begriff „Genuss“ verbunden werden, wobei er überwiegend als Synonym für Entspannung aufgefasst wurde. Frauen entspannen sich danach vor allem beim Kaffeeklatsch, bei Wellness-Angeboten und beim Einkaufen, Männer dagegen im Fußballstadion, beim Sport oder in der Kneipe. Als wichtigste Alltagsgenüsse bezeichneten Frauen das Kaffeetrinken und „Nichtstun“; Männer hören am liebsten Musik oder gehen essen. Mir wird klar, dass es sich nur um eine deutsche Studie handeln kann, denn es gibt anscheinend vier verschiedene Genusstypen: Die so genannten Couchgenießer (36 %), die Geschmacksgenießer (27 %), die Erlebnisgenießer (17 %) und die Alltagsgenießer (17 %). Also ich weiß, welcher Typ ich bin. Das Gleiche gilt auch für Dich. Du musst es nur tun.

Also, Dir einen schönen Genusstag und bleib gesund!

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